Familie Maier aus Stuttgart
„Minii dotni naiz bol do,…“ Unsere Kinder können ein Kinderlied auf mongolisch singen. Das hat ihnen unser Au-Pair beigebracht. Seit einem halben Jahr leben wir nun mit B. aus der Mongolei zusammen. Da unsere Kinder noch sehr klein sind (1, 3 und 5 Jahre alt) und der Alltag mit drei so kleinen Kindern recht anstrengend ist, haben wir uns entschlossen, uns Unterstützung in Form eines Au-Pairs zu suchen. Eine Au-Pair Agentur hat uns verschiedene Bewerbungen geschickt und es war nicht einfach, das Mädchen auszusuchen, das am besten zu uns passt.
Für uns ist es wichtig, dass das Au-Pair selbständig ist, d.h. dass es selbst erkennt wenn das Baby mal wieder eine frische Windel braucht oder wenn so viele Krümel auf dem Boden liegen dass mal wieder gestaubsaugt werden muss. Außerdem braucht das Au-Pair ein großes Verantwortungsbewusstsein, denn wenn wir unser Haus und unsere drei Kinder in die Obhut eines anderen Menschen geben, wollen wir natürlich sicher sein, dass alles gut und sicher verläuft. Die Bereitschaft in einen Sprachkurs zu gehen und die Deutschkenntnisse kontinuierlich zu verbessern sollte auf jeden Fall da sein, ebenso wie eine Aufgeschlossenheit gegenüber der deutschen Kultur, dem Essen und der Bräuche.
Wir sehen unser Au-Pair als „große Tochter“ die gewisse Pflichten im Haushalt hat (Staubsaugen, Bügeln, Wäsche aufräumen, ab und zu kochen), auf ihre kleineren „Geschwister“ aufpasst, die auch unsere Regeln in der Familie einhält und um die wir uns auch schon mal Sorgen machen wenn sie nachts alleine unterwegs ist.
Einige Freunde haben uns abgeraten ein Au-Pair zu nehmen, sie warnten uns davor, dass immer eine „fremde“ Person mit im Haushalt ist. Wir empfinden das Au-Pair als große Bereicherung und wünschten uns manchmal sogar dass sie an ihrem (freien) Wochenende mehr Zeit mit uns verbringen würde. In den ersten Wochen ist unser Au-Pair mit „großen Augen“ durch die Welt gelaufen, und ihre Bemerkungen über die Schönheit unseres Landes und unserer Sprache und die Fortschrittlichkeit unserer Kultur lässt auch uns unser Leben mal wieder mit anderen Augen sehen.
Leider ist das erste halbe Jahr schon um, und nachdem es bei B. Probleme mit dem Visum gegeben hat und wir lange auf sie warten mussten, machen wir uns nun schon wieder Gedanken über die Zeit danach. Es war schön, B. nach ihrer Ankunft die Stadt, die Sitten und Gebräuche zu erklären, auch wenn es anfangs mit den Sprachschwierigkeiten etwas mühsam war. Die Aussicht, in einem halben Jahr wieder „von vorne anzufangen“, jetzt wo mit B. alles so eingespielt ist, kostet Kraft und Mut. Wieder müssen wir uns für eine neue Person öffnen, uns gegenseitig kennen lernen, uns vertrauen lernen. Nach dem Au-Pair Jahr will B. weiterhin einen Sprachkurs machen und in Deutschland studieren. Wir hoffen, dass sie in der Nähe bleibt, denn wir und vor allem die Kinder hängen sehr an ihr. Wir würden uns freuen, wenn die „größte Tochter“ dann das ein oder andere Mal zu Besuch kommt. Der „neuen großen Tochter“ kann sie bei der Gelegenheit vielleicht viele hilfreiche Tipps geben.
John aus Südafrika, Au Pair in Tauberbischofsheim
Ich kann mich noch genau an die Zeit erinnern, in der ich den Entschluss fasste ins Ausland zu gehen. Es war damals für mich unfassbar, fast wie ein Traum. Es war mir völlig egal wohin ich ging. Ich wollte einfach weg und die Welt entdecken. Erleben wie die Menschen auf der anderen Seite der Erde leben. Als ich zum ersten Mal vom Au-Pair Programm hörte ergriff ich sofort die Chance. Ich fühlte, dass dieser Auslandsaufenthalt für mich genau richtig ist.
Am Anfang waren wir insgesamt über 20 Teilnehmer, die sich für das Programm interessierten. Bevor wir uns überhaupt richtig bewerben konnten mussten wir erst einmal Deutschunterricht nehmen. Zum Schluss sind lediglich 3 Au-Pair Bewerber übrig geblieben. Manche gaben auf, da sie ihre Arbeit vernachlässigten und andere hatten einfach nicht das Durchhaltevermögen. Deutsch zu lernen ist nicht einfach. Nachdem der Deutschkurs beendet war begann die Suche nach einer Gastfamilie, die mich als Au-Pair haben wollte. Die Chancen als männlicher Bewerber mit dunkler Hautfarbe und ohne Führerschein eine Gastfamilie zu finden sind relativ gering. Meine beiden Kollegen aus dem Deutschkurs fanden vor mir eine Familie, was mich etwas nervös machte. Doch irgendwann gab es auch für mich eine Familie, die mich einladen wollte. Ich war überglücklich! Nun konnte ich mich beim Goethe-Institut für den Sprachtest anmelden, den ich für die Visumbeantragung benötigte. Außerdem brauchte ich noch ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis. Das kostete alles Geld, was ich leider nicht hatte. Aber zum Glück unterstützte mich die Organisation, die das Au-Pair Programm leitete. Insgesamt kostete mich das Visum 2.500 Südafrikanische Rand. Das sind ca. 260 € und in Südafrika in meiner Heimatregion sehr viel Geld.
Nachdem das Visum durch war, ging es darum einen Flug zu buchen. Ich war total nervös als mir bewusst war, dass ich nun endlich ein Flugticket für Deutschland hatte. Ich bin zuvor noch nie geflogen. Genau genommen bin ich bis zu diesem Zeitpunkt nie über die Grenzen von Südafrika hinaus gekommen. Es war für mich total irre. Wie ein Traum. Ich wusste nicht was mich dort außerhalb meines Landes erwartet. Aber ich war viel zu neugierig als dass ich Angst gehabt hätte. Mein Flugticket kostete 9.777 Südafrikanische Rand. Wieder Geld, das ich nicht hatte. Die Organisation, die mich bei meinem Vorhaben unterstützte gab mir einen Kredit, den ich von meinem zukünftigen Taschengeld abbezahlen musste. Ich war froh als das alles geregelt war und ich nur noch packen musste. Das Abschiednehmen war furchtbar. Auf der einen Seite war ich überglücklich auf Entdeckungsreise zu gehen und auf der anderen Seite fühlte ich mich traurig meine Freunde und meine Familie zurück zulassen. Am Schlimmsten war es als ich im Flugzeug saß und die Motoren starteten. Da wurde mir bewusst, dass es kein Zurück mehr gibt.
Als ich in Deutschland am Flughafen Frankfurt ankam, konnte ich zuerst mein Gepäck auf dem riesigen Flughafen finden. Ich hatte keine Ahnung wo ich hingehen musste und suchen. So kam es, dass ich zuerst meine Gastfamilie entdeckte und dann mein Gepäck. Ich wurde herzlich von meiner neuen Familie begrüßt. Die Gasteltern, Tanja und Frank, sowie Anna-Lena, auf die ich ab sofort aufpassen sollte und mit der ich auch die meiste Zeit in Deutschland verbrachte. Die Kommunikation auf Deutsch war am Anfang so eine Sache. Aber da dies die einzige offizielle Sprache in Deutschland ist, hat man keine andere Wahl. Meine Gastfamilie hat mich beim Erlernen der Sprache sehr unterstützt. Aber ich hatte nicht nur Problem mit der Sprache. Es war für mich alles fremd in diesem neuen Land. Die Kultur, die Menschen, die Landschaft, die Gerüche. Einfach alles. Ich musste zuerst verstehen lernen, dass dies definitiv nicht mehr Südafrika war.
Meine Gastfamilie wohnte in einem kleinen Ort bei Tauberbischofsheim in einer ruhigen Wohngegend mit sehr netten Nachbarn. Sie wussten schon alle, dass ich komme. Und nachdem ich beim Einwohnermeldeamt angemeldet war, war ich ein Teil dieser Gemeinschaft. Neben der Sprache musste ich auch lernen wie ein dt. Haushalt funktioniert und was meine Aufgaben sind, dessen Erfüllung von mir erwartet wurde. Ich lernte schnell. Nicht zuletzt, da ich eine gute Gastfamilie hatte, die Geduldig war und mich viel lehrte.
In der Beziehung zu meiner Gastfamilie gab immer wieder Höhen und Tiefen. Meistens konnte man die Probleme in einem Gespräch lösen. Es war üblich, dass die Gastfamilie etwas sagte und ich verstand etwas anderes oder ich erledigte die Dinge, so wie ich es für richtig hielt, aber es aus der Sicht der Gastfamilie nicht korrekt war. Aber egal was passierte, wir konnten immer darüber sprechen. Ich hatte meine Fehler und sie ihre. Manchmal haben sich die Dinge auch hoch geschaukelt, da sich jeder im Recht glaubte. Und es ist nicht immer einfach für mich gewesen eine andere Meinung zu akzeptieren. Dies war dann ein Rückschlag in unserer Kommunikation.
In manchen Phasen fühlte ich mich allein und glaubte, dass mich niemand versteht. Und so war es auch. Niemand um mich herum hatte erlebt, was ich erlebte. Ich hatte zwar ein paar dt. Freunde, die ich schon in Südafrika kennenlernte, und ich hatte auch die Aupairagentur in Deutschland als Ansprechpartner, aber es war nicht dasselbe wie meine Freunde oder meine Familie in Südafrika. Die Mitarbeiter der Aupairagentur versuchten mir zu erklären wie eine dt. Gastfamilie tickt, was ihre Werte sind und wie sie die Kinder großzieht. Sie waren für mich wie eine Brücke zwischen meiner Gastfamilie und mir. Natürlich gab es auch gute Zeiten in meiner Gastfamilie. Ich wurde überall mitgenommen. Highlights waren Besuche von Vergnügungsparks oder Urlaubstrips in Nachbarländern wie Dänemark, Schweiz oder der Tschechei.
Mit der Zeit lernte ich andere Au-Pairs in der Umgebung kennen mit denen ich mich austauschen konnte. Das hat mir sehr geholfen. Denn nur wer selbst Gleiches oder Ähnliches erlebt hat, kann andere richtig verstehen. Ich musste feststellen, dass wir vieles Gemeinsam hatten. Nicht nur bei der Arbeit, sondern allgemein im Leben und auch bei den Zukunftsplänen. Obwohl wir alle eine andere Muttersprache hatten, war hier die Verständigung in Bezug auf das Leben in Deutschland kein Problem.
Als ich nach meiner Zeit in Deutschland wieder zurück nach Südafrika kehrte, fühlte ich mich in meinem eigenen Heimatland fremd. Es war merkwürdig. Merkwürdiger als ich damals in Deutschland ankam. Ich war ein Fremder in der Umgebung, in der ich aufgewachsen war. Vieles hat sich in der Zeit meiner Abwesenheit verändert. Vieles war auch unverändert. Mit meinen Freunden von damals konnte ich z.T. überhaupt nichts mehr anfangen, da wir keine gemeinsame Linie mehr hatten.
Auf jeden Fall war die Zeit in Deutschland für mich sehr, sehr wertvoll. Ich kann das Au-Pair Programm nur empfehlen. Ich habe meine Chance genützt und es hat sich gelohnt. Ich bin wieder daheim und meine Familie ist stolz auf mich und alles was ich so durchgemacht habe. Ich kann gut Deutsch und habe vieles gelernt über andere Menschen sowie Kulturen. Ich bereue nichts von alldem was sich mit dieser Chance so entwickelt hat. Ich weiß es jetzt wie kein anderer. Nie zuvor hätte ich gedacht, dass dies möglich ist. Doch man muss nur die Augen öffnen und seine Hand danach austrecken.
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